Unter Wanderern heisst es, es handele sich bei dem GR20 um den anspruchsvollsten Fernwanderweg Europas. Jede Etappe berge eine ganz neue Herausforderung. Kein Tag sei wie der Andere.
Im August 2009 wanderten wir auf dem GR20 von Süden nach Norden und waren sehr gespannt auf das, was uns auf diesem 180 Kilometer langen Weg erwarten würde.

Im August 2009 wanderten wir auf dem GR20 von Süden nach Norden und waren sehr gespannt auf das, was uns auf diesem 180 Kilometer langen Weg erwarten würde.
Als wir mitte August in Bastia ankamen, empfing uns trockene Hitze und die Sonne brannte unerbittlich. Mit dem Bus fuhren wir vom Flughafen im Nordosten der Insel in die kleine Stadt an der Küste. Der Busfahren fuhr streckenweise mit geöffneten Türen um den Fahrgästen etwas Abkühlung zu verschaffen.
Wir blieben für eine Nacht in Bastia um uns zu aklimatisieren und auch weil der Bus nach Sainte-Lucie-de-Porto-Vecchio nur zwei Mal am Tag fährt und wir den letzten Bus an diesem Tag bereits verpasst hatten. Die Busfahrt nach Porto Vecchio, dem naheliegensten Ort zu dem Startpunkt unserer Wanderung, dauerte über vier Stunden. Als wir ankamen, war die Sonne bereits im Begriff unterzugehen. Es begann der zweite Teil unserer Anreise: der Fußmarsch nach Conca, dem Startpunkt unserer zirka 180 Kilometer langen Wanderung über die Insel. Mit dem GPS ließen wir uns zu dem kleinen Dorf navigieren und bauten unser Zelt im dunkeln auf dem Campingplatz auf.
Am nächsten Morgen versuchten wir etwas essbares im Dorf aufzutreiben. Wir hatten zwar Verpflegung für etwa 2-3 Tage dabei, dennoch wollten wir nach frischem Brot und Käse für das Mittagessen ausschau halten. In dem einzigen Laden im Ort (einem kleinen Cafe) schaute man uns allerdings nur befremdlich an, als wir nach Brot und Käse fragten. Direkt neben dem Cafe lag der Einstieg auf den GR20; dem Fernwanderweg dem wir in den nächsten Tagen folgen wollten.
Der erste Wandertag war beschwerlich. Das lag nicht etwa an der Wegbeschaffenheit, sondern vielmehr an der unerträglichen Hitze. Der Weg an sich war nicht besonders anspruchsvoll; aber die Sonne war kaum auszuhalten. In der Mittagspause legten wir uns in den Schatten eines großen Felsen. Am späten Nachmittag kamen wir beim Refuge de Paliri an. Auf dem Zeltplatz rund um die Hütte waren breits viele Zelte aufgeschlagen und jeder halbwegs schattige, ebene Platz war bereits belegt.
Das passierte uns in den nachfolgenden Tagen immer wieder. Viele Wandergruppen standen morgens schon sehr früh (um 5 Uhr) auf, machten dabei ordentlich Lärm ohne Rücksicht auf die noch schlafenden und liefen dann von sportlichem Ehrgeiz getrieben zum Etappenziel um einen guten Platz für ihr Zelt zu reservieren.
Wir genossen den Weg, die wunderschönen Ausblicke und die Natur. Wir ließen uns Zeit die Eindrücke in uns aufzunehmen, kochten in der Mittagspause leckeren Espresso und ließen die Seele baumeln. Das hatte allerdings zur Folge, dass wir oft nur mit Müh und Not einen halbwegs akzeptablen Platz für unser Zelt fanden und so mache Nacht unbequem schliefen.
An den nachfolgenden Wandertagen veränderte sich die Landschaft stetig. Kaum eine Etappe glich der anderen und selbst auf einzelnen Tagesetappen gab es so manche Überraschung. Eben noch liefen wir durch dichten, herbstlich gefärbten Laubwald, ein paar Kilometer weiter kämpften wir uns durch eine karge Wüste aus Geröll und Stein und wieder ein paar Kilometer weiter mäanderten wir durch ein endlos grünes Tal mit wilden Pferden.

Da wir von Süden nach Norden wanderten, konnten wir uns langsam an den immer schwieriger werdenden Weg gewöhnen. Immer öfter bestand der Weg aus losem Geröll und es wurde streckenweise sehr mühsam voran zu kommen.
Als wir in dem kleinen Ort Vizzavona ankamen, hatten wir die Hälfte der Wanderung hinter uns gebracht. Im Ortskern eintreffend, zogen schwarze Gewitterwolken auf und wir brachten uns in einem Restaurant in Sicherheit. Wir wollten hier einen Pausentag einlegen und uns in einem Hotel einquartieren. Leider waren alle Zimmer bereits ausgebucht, so dass uns nur ein Mehrbettzimmer in einer Herberge blieb.
Wir teilten ein einfaches Fünfbettzimmer zusammen mit einem weiteren Paar aus England. Später am Abend kam noch ein komplett durchnässter Wanderer aus Spanien hinzu. Mit dem Spanier hatten wir leider kein Glück, denn dieser fing, nachdem alle zu Bett gegangen waren, so laut an zu scharchen wie ich es in meinem Leben noch nicht gehört hatte. Zusammen mit dem Paar aus England berieten wir was wir machen wollten, denn so konnten wir unmöglich die Nacht verbringen. Wir zogen zu viert zu dem der Herberge angehörenden Hotel und wurden dort vorstellig. Anfangs stießen wir auf Ablehnung. Alle Zimmer seien ausgebucht - man könne nichts machen, hieß es. Als wir dann im Dunkeln ein wenig ratlos vor dem Hotel standen und ich im Kopf schon pläne machte im Hotelgarten das Zelt aufzubauen, ließ sich der Hotelier doch noch erweichen. Mit Sack und Pack zogen wir in eine Schlafkammer auf dem Dachboden des Hotel um. Die Betten dort waren wohl für Hotelangestellte gedacht. Am nächsten Morgen wird sich der spanische Wandersmann wahrscheinlich ein wenig gewundert haben warum er in einem leeren Zimmer erwachte :)
Der Pausentag in Vizzavona erwies sich als gut gewählt. Auch am nächsten Tag hielt das schlechte Wetter an. Das heftige Gewitter setzte viel früher ein als erwartet. Nicht erst am Nachmittag, sondern schon gegen Mittag knallte es wie aus einer Kanone geschossen. Wir erfuhren, dass viele Wanderer trotz der Unwetterwarnung losgezogen waren und teilweise mit Hubschraubern aus den Bergen gerettet werden mussten. Bei Regen werden die steinigen Wanderwege oft unpassierbar. Der Stein wird so rutschig wie Eis, das Geröll verwandelt sich in einen Brei aus Matsch und Steinen und die Bäche schwellen innerhalb von wenigen Minuten so hoch an, dass sie unüberquerbar werden. Zwischen zwei solcher Bäche ist man dann gegebenenfalls gefangen und muss das Unwetter aussitzen. Wer kein Zelt und entsprechende Kleidung dabei hat, begibt sich dabei in Lebensgefahr durch Unterkühlung.
Wir nutzten den Pausentag und fuhren mit der Bahn von Vizzavona nach Corte. Diesen kleinen Abstecher hätten wir uns im nachhinein betrachtet sparen können, denn Corte bot nichts interessantes (außer unmengen an Autos und langweiligen Touristenläden) und der kleine Supermarkt in Vizzavona verkaufte alles, was wir zur Aufstockung unserer Vorräte benötigten.
Unsere erste Etappe im Nordteil des GR20 führte uns von Vizzavona zum Refuge de l'Onda. Der Zeltplatz neben der Hütte war eingezäunt um die vielen dort herumstreunernden Hausschweine fernzuhalten. Das funktionierte aber nicht so wie gelpant, da jemand das Tor offen stehen ließ. Die auf dem Zeltplatz herumlaufenden Schweine fraßen unser Zelt und es bereitete einige Mühe die zahmen Tiere zu verscheuchen.
Anscheinend war das Trinkwasser an diesem Ort kontaminiert. Am nächsten Tag litt ich unter Übelkeit und Durchfall. Die letzten Höhenmeter zur Hütte Petra Piana konnte ich nur mit großer Anstrengung erreichen. Als es Romana am Abend auch nicht gut ging, beschlossen wir hier einen weiteren Pausentag einzulegen um uns zu erholen. Wir waren nicht die einzigen, die es erwischt hatte. Insgesamt erfuhren wir von acht weiteren Wanderern, die durch das Trinkwasser in l'Onda krank wurden.
Nachdem wir uns etwas erholt und neue Kraft geschöpft hatten, genossen wir eine - unserer Meinung nach - der schönsten Etappen von Petra Piana zum Refuge de Manganu. Der Ausblick auf die vielen Seen war wirklich einmalig schön und die leichte Kletterei machte uns Spass. Hier machten wir auch das erste Mal bekanntschaft mit einer der Stahlketten, die Kletterpassagen absichern sollten.
Die Nordetappen des GR20, also der Weg von Vizzavona nach Calenzana, waren insgesamt anspruchsvoller als die Wege im Süden. Die Pfade bestanden nun fast ausschließlich aus losem Geröll und es musste viel geklettert werden. Besonders viel Spass bereitete uns der Weg durch den berüchtigten Cirque de la Solitude, denn hier mussten wir "freestyle" Klettern. Da es hier durch die Massen von Wanderern zu Staus kam, kletterten wir oft ein wenig abseits der vorgegebenen Route. Lediglich an den durch Ketten gesicherten Passagen musste wir warten bis wir an der Reihe waren.
Wir kamen nach insgesamt 15 Wandertagen wohlbehalten an unserem Ziel in Calenzana an. Zusammen mit Anette und Clemens, die wir unterwegs kennengelernt hatten, bestellten wir uns in einem Cafe ein Taxi das uns nach Calvi an die Nordwestküste brachte. In Calvi quartierten wir uns auf einem der sehr zentral gelegenen Campingplätze ein und vebrachten zwei Tage damit durch den netten Ort zu bummeln, am Strand zu liegen und Abends lecker Essen zu gehen :)
Mit dem Zug fuhren wir anschließend zurück nach Bastia.
Das Fazit
Der GR20 ist ein anspruchsvoller Wanderweg. Er kann aber mit etwas alpiner Erfahrung und guter Kondition gegangen werden. Trotzdem sollten die Gefahren nicht außer acht gelassen werden. Viele Etappen beinhalten schwierige Passagen die Schwindelfreiheit, Trittsicherheit und Erfahrung mit leichter Kletterei voraussetzen. Auf das Wetter sollte man besonders achten, denn bei Gewitter und Regen kann eine vermeindlich einfache Etappe schnell lebensgefährlich werden.
Leider ist der GR20 im Sommer sehr überlaufen. Die Zeltlager an den Hütten erinnern an die (Zitat eines Wanderers) "Massenlager am Everest". Die Versorgung mit Lebensmitteln unterwegs ist mangelhaft. Zwar bekommt man, bis auf die letzten beiden Nordetappen, in jeder Hütte etwas essbares zu kaufen - das aber zu sagenhaften Preisen. Das Trinkwasser sollte man vorsichtshalber (mit Chlor oder UV) disinfizieren.
Für uns war die Wanderung auf dem GR20 und auch die Begegnung mit den Menschen eine sehr schöne Erfahrung. In den kommenden Jahren werden wir uns aber wieder Wandergebiete etwas abseits des Massentourismus suchen.
Wir blieben für eine Nacht in Bastia um uns zu aklimatisieren und auch weil der Bus nach Sainte-Lucie-de-Porto-Vecchio nur zwei Mal am Tag fährt und wir den letzten Bus an diesem Tag bereits verpasst hatten. Die Busfahrt nach Porto Vecchio, dem naheliegensten Ort zu dem Startpunkt unserer Wanderung, dauerte über vier Stunden. Als wir ankamen, war die Sonne bereits im Begriff unterzugehen. Es begann der zweite Teil unserer Anreise: der Fußmarsch nach Conca, dem Startpunkt unserer zirka 180 Kilometer langen Wanderung über die Insel. Mit dem GPS ließen wir uns zu dem kleinen Dorf navigieren und bauten unser Zelt im dunkeln auf dem Campingplatz auf.
Am nächsten Morgen versuchten wir etwas essbares im Dorf aufzutreiben. Wir hatten zwar Verpflegung für etwa 2-3 Tage dabei, dennoch wollten wir nach frischem Brot und Käse für das Mittagessen ausschau halten. In dem einzigen Laden im Ort (einem kleinen Cafe) schaute man uns allerdings nur befremdlich an, als wir nach Brot und Käse fragten. Direkt neben dem Cafe lag der Einstieg auf den GR20; dem Fernwanderweg dem wir in den nächsten Tagen folgen wollten.
Der erste Wandertag war beschwerlich. Das lag nicht etwa an der Wegbeschaffenheit, sondern vielmehr an der unerträglichen Hitze. Der Weg an sich war nicht besonders anspruchsvoll; aber die Sonne war kaum auszuhalten. In der Mittagspause legten wir uns in den Schatten eines großen Felsen. Am späten Nachmittag kamen wir beim Refuge de Paliri an. Auf dem Zeltplatz rund um die Hütte waren breits viele Zelte aufgeschlagen und jeder halbwegs schattige, ebene Platz war bereits belegt.
Das passierte uns in den nachfolgenden Tagen immer wieder. Viele Wandergruppen standen morgens schon sehr früh (um 5 Uhr) auf, machten dabei ordentlich Lärm ohne Rücksicht auf die noch schlafenden und liefen dann von sportlichem Ehrgeiz getrieben zum Etappenziel um einen guten Platz für ihr Zelt zu reservieren.
Wir genossen den Weg, die wunderschönen Ausblicke und die Natur. Wir ließen uns Zeit die Eindrücke in uns aufzunehmen, kochten in der Mittagspause leckeren Espresso und ließen die Seele baumeln. Das hatte allerdings zur Folge, dass wir oft nur mit Müh und Not einen halbwegs akzeptablen Platz für unser Zelt fanden und so mache Nacht unbequem schliefen.
An den nachfolgenden Wandertagen veränderte sich die Landschaft stetig. Kaum eine Etappe glich der anderen und selbst auf einzelnen Tagesetappen gab es so manche Überraschung. Eben noch liefen wir durch dichten, herbstlich gefärbten Laubwald, ein paar Kilometer weiter kämpften wir uns durch eine karge Wüste aus Geröll und Stein und wieder ein paar Kilometer weiter mäanderten wir durch ein endlos grünes Tal mit wilden Pferden.
Da wir von Süden nach Norden wanderten, konnten wir uns langsam an den immer schwieriger werdenden Weg gewöhnen. Immer öfter bestand der Weg aus losem Geröll und es wurde streckenweise sehr mühsam voran zu kommen.
Als wir in dem kleinen Ort Vizzavona ankamen, hatten wir die Hälfte der Wanderung hinter uns gebracht. Im Ortskern eintreffend, zogen schwarze Gewitterwolken auf und wir brachten uns in einem Restaurant in Sicherheit. Wir wollten hier einen Pausentag einlegen und uns in einem Hotel einquartieren. Leider waren alle Zimmer bereits ausgebucht, so dass uns nur ein Mehrbettzimmer in einer Herberge blieb.
Wir teilten ein einfaches Fünfbettzimmer zusammen mit einem weiteren Paar aus England. Später am Abend kam noch ein komplett durchnässter Wanderer aus Spanien hinzu. Mit dem Spanier hatten wir leider kein Glück, denn dieser fing, nachdem alle zu Bett gegangen waren, so laut an zu scharchen wie ich es in meinem Leben noch nicht gehört hatte. Zusammen mit dem Paar aus England berieten wir was wir machen wollten, denn so konnten wir unmöglich die Nacht verbringen. Wir zogen zu viert zu dem der Herberge angehörenden Hotel und wurden dort vorstellig. Anfangs stießen wir auf Ablehnung. Alle Zimmer seien ausgebucht - man könne nichts machen, hieß es. Als wir dann im Dunkeln ein wenig ratlos vor dem Hotel standen und ich im Kopf schon pläne machte im Hotelgarten das Zelt aufzubauen, ließ sich der Hotelier doch noch erweichen. Mit Sack und Pack zogen wir in eine Schlafkammer auf dem Dachboden des Hotel um. Die Betten dort waren wohl für Hotelangestellte gedacht. Am nächsten Morgen wird sich der spanische Wandersmann wahrscheinlich ein wenig gewundert haben warum er in einem leeren Zimmer erwachte :)
Der Pausentag in Vizzavona erwies sich als gut gewählt. Auch am nächsten Tag hielt das schlechte Wetter an. Das heftige Gewitter setzte viel früher ein als erwartet. Nicht erst am Nachmittag, sondern schon gegen Mittag knallte es wie aus einer Kanone geschossen. Wir erfuhren, dass viele Wanderer trotz der Unwetterwarnung losgezogen waren und teilweise mit Hubschraubern aus den Bergen gerettet werden mussten. Bei Regen werden die steinigen Wanderwege oft unpassierbar. Der Stein wird so rutschig wie Eis, das Geröll verwandelt sich in einen Brei aus Matsch und Steinen und die Bäche schwellen innerhalb von wenigen Minuten so hoch an, dass sie unüberquerbar werden. Zwischen zwei solcher Bäche ist man dann gegebenenfalls gefangen und muss das Unwetter aussitzen. Wer kein Zelt und entsprechende Kleidung dabei hat, begibt sich dabei in Lebensgefahr durch Unterkühlung.
Wir nutzten den Pausentag und fuhren mit der Bahn von Vizzavona nach Corte. Diesen kleinen Abstecher hätten wir uns im nachhinein betrachtet sparen können, denn Corte bot nichts interessantes (außer unmengen an Autos und langweiligen Touristenläden) und der kleine Supermarkt in Vizzavona verkaufte alles, was wir zur Aufstockung unserer Vorräte benötigten.
Unsere erste Etappe im Nordteil des GR20 führte uns von Vizzavona zum Refuge de l'Onda. Der Zeltplatz neben der Hütte war eingezäunt um die vielen dort herumstreunernden Hausschweine fernzuhalten. Das funktionierte aber nicht so wie gelpant, da jemand das Tor offen stehen ließ. Die auf dem Zeltplatz herumlaufenden Schweine fraßen unser Zelt und es bereitete einige Mühe die zahmen Tiere zu verscheuchen.
Anscheinend war das Trinkwasser an diesem Ort kontaminiert. Am nächsten Tag litt ich unter Übelkeit und Durchfall. Die letzten Höhenmeter zur Hütte Petra Piana konnte ich nur mit großer Anstrengung erreichen. Als es Romana am Abend auch nicht gut ging, beschlossen wir hier einen weiteren Pausentag einzulegen um uns zu erholen. Wir waren nicht die einzigen, die es erwischt hatte. Insgesamt erfuhren wir von acht weiteren Wanderern, die durch das Trinkwasser in l'Onda krank wurden.
Nachdem wir uns etwas erholt und neue Kraft geschöpft hatten, genossen wir eine - unserer Meinung nach - der schönsten Etappen von Petra Piana zum Refuge de Manganu. Der Ausblick auf die vielen Seen war wirklich einmalig schön und die leichte Kletterei machte uns Spass. Hier machten wir auch das erste Mal bekanntschaft mit einer der Stahlketten, die Kletterpassagen absichern sollten.
Die Nordetappen des GR20, also der Weg von Vizzavona nach Calenzana, waren insgesamt anspruchsvoller als die Wege im Süden. Die Pfade bestanden nun fast ausschließlich aus losem Geröll und es musste viel geklettert werden. Besonders viel Spass bereitete uns der Weg durch den berüchtigten Cirque de la Solitude, denn hier mussten wir "freestyle" Klettern. Da es hier durch die Massen von Wanderern zu Staus kam, kletterten wir oft ein wenig abseits der vorgegebenen Route. Lediglich an den durch Ketten gesicherten Passagen musste wir warten bis wir an der Reihe waren.
Wir kamen nach insgesamt 15 Wandertagen wohlbehalten an unserem Ziel in Calenzana an. Zusammen mit Anette und Clemens, die wir unterwegs kennengelernt hatten, bestellten wir uns in einem Cafe ein Taxi das uns nach Calvi an die Nordwestküste brachte. In Calvi quartierten wir uns auf einem der sehr zentral gelegenen Campingplätze ein und vebrachten zwei Tage damit durch den netten Ort zu bummeln, am Strand zu liegen und Abends lecker Essen zu gehen :)
Mit dem Zug fuhren wir anschließend zurück nach Bastia.
Das Fazit
Der GR20 ist ein anspruchsvoller Wanderweg. Er kann aber mit etwas alpiner Erfahrung und guter Kondition gegangen werden. Trotzdem sollten die Gefahren nicht außer acht gelassen werden. Viele Etappen beinhalten schwierige Passagen die Schwindelfreiheit, Trittsicherheit und Erfahrung mit leichter Kletterei voraussetzen. Auf das Wetter sollte man besonders achten, denn bei Gewitter und Regen kann eine vermeindlich einfache Etappe schnell lebensgefährlich werden.
Leider ist der GR20 im Sommer sehr überlaufen. Die Zeltlager an den Hütten erinnern an die (Zitat eines Wanderers) "Massenlager am Everest". Die Versorgung mit Lebensmitteln unterwegs ist mangelhaft. Zwar bekommt man, bis auf die letzten beiden Nordetappen, in jeder Hütte etwas essbares zu kaufen - das aber zu sagenhaften Preisen. Das Trinkwasser sollte man vorsichtshalber (mit Chlor oder UV) disinfizieren.
Für uns war die Wanderung auf dem GR20 und auch die Begegnung mit den Menschen eine sehr schöne Erfahrung. In den kommenden Jahren werden wir uns aber wieder Wandergebiete etwas abseits des Massentourismus suchen.

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