Tour Du Mont Blanc 2007

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Zirka 175 Kilometer und 12.000 Höhenmeter Auf- und Abstieg rund um das Gebirgsmassiv des Mont-Blanc im Dreiländereck von Frankreich, Italien & Schweiz. Das ist Europas schönste Trekking-Tour. Die "Tour Du Mont Blanc".

Ich hätte nie im Leben daran gedacht, dass ich diese Tour insgesamt drei Mal laufen würde. Das erste Mal wanderte ich alleine im Jahr 2003. Das zweite Mal lief ich ein Jahr später zusammen mit meinem Freund Michael und dieses Mal zusammen mit meiner geliebten Frau. Der Weg ist so attraktiv, die Ausblicke auf jeder einzelnen Etappe so spektakulär, dass man diese Runde eigentlich jedes Jahr erneut gehen könnte. Es würde niemals langweilig werden.

   

Wir planten die Wanderung für Ende Juli / Anfang August um unterwegs gutes Wetter und keinen Schnee auf den Pässen zu haben. Da ich den Weg zwei Mal gegangen war, wusste ich was uns erwartet und ich konnte dementsprechend vorrausschauend die Rucksäcke packen und die Reise planen.

Wir wollten möglichst oft im Zelt übernachten, was auf dieser Runde problemlos möglich ist. Wir hatten uns, zusätzlich zu dem leichtgewichtigen Tarptent noch ein Komfortzelt von The North Face mit dem Namen "Merlin 33" zugelegt - ein wahrlich schwerer Brocken (im Vergleich zum Tarptent) von (optimierten) 3.1 Kg, der aber auch bei schlechtem Bergwetter ausreichend behaglichkeit bieten sollte.

Das Gepäck wurde soweit optimiert, bis Romana ca. zehn und ich knapp zwölf Kilogramm auf dem Rücken trugen. Dieses Gewicht wurde dann nur durch die Nahrungsmittel und das Wasser erhöht, so dass sich ein Gesamtgewicht von zirka 13 bzw. 15 Kilogramm ergab.

Die Anreise erfolgte, leider nicht ganz Klimafreundlich, mit dem Flugzeug nach Genf und dann weiter mit dem Zug nach Martigny in der Schweiz. Praktischerweise befindet sich der Bahnhof direkt im Flughafen, so dass wir aus dem Flieger direkt in den Zug springen konnten. In Martigny stiegen wir in den "Mont Blanc Express" - eine Bergbahn, die uns über Chamonix direkt zu unserem Startort, dem kleinen Dorf "Les Houches" in Frankreich brachte.

Nach einem Pausen- und Aklimatisierungstag in Les Houches ging es dann an einem Montag los mit der Runde um das große Gebirgsmassiv.


  • 1. Etappe: Les Houches - Chalets di Miage

    Morgens war es noch recht kühl. Da es aber auf einem breitem Weg steil nach oben ging, waren wir ziemlich schnell aufgewärmt. Der weitere Weg verlief angenehm auf einem Balkon duch den Wald bis zu einer Hängebrücke die wir überqueren mussten. Dort staute es sich etwas, als eine Wandergruppe mit Kindern die Überschreitung selbiger zelebrierten. Der Aufstieg zum Col de Tricot war sehr schön (steil) und oben herrschte ein heftig stürmischer Wind, so dass wir uns dort nicht lange aufhielten. Die nachfolgenden knapp 550 Höhenmeter hinunter zur Hütte hatten es in sich. Die Fußsohlen brannten wie Feuer und jeder Schritt auf dem schmalen, rutschigen Geröllhang wurde zur Qual. Nach über einer Stunde erreichten wir das Ziel. Wolken waren bereits über unserem Kopf entstanden und ein leichter Nieselregen fiel herab.

    Wir schlugen unser Zelt auf einer Art kleinen Insel, umgeben von zwei Bergbächen, in der nähe der Hütte auf. Der Regen wurde stärker und wir kochten das Abendessen in der Apsis unseres geräumigen Merlin-Zelts. Nach diesem ersten, ziemlich anstrengenden Tag, legten wir uns früh in die Schlafsäcke.

    Kaum war es düster geworden, ging es los. Ein lauter Knall hallte aus der Ferne und rollte bebend in unser Tal heinein. Eine Lawine? Nein - ein Gewitter bahnte sich an; und was für eins. Aus dem Nieselregen wurde ein Wasserfall und um unser Zelt herum zuckten die Blitze. Durch den starken Regen schwollen die ursprünglich kleinen Bergbäche urplötzlich zu riesigen, reissenden Flüssen an die donnernd um unsere kleine Insel tobten. Puh. Wir beschlossen das Zelten abzubrechen und in die nahe gelegene Hütte umzuziehen um kein Risiko einer Überschwemmung einzugehen. So stapften wir im Regen mit Stirnlampen ausgerüstet zur 300 Meter entfernten Herberge. Dort waren die Lichter schon aus und alle Türen waren verschlossen. Wir klopften an die Türen und Fenster, doch niemand machte uns auf. Es gab auch keine Klingel oder Glocke mit der wir auf uns aufmerksam hätten machen können. So zogen wir unverrichteter Dinge wieder davon - in Richtung unseres Zeltes.

    Dort angekommen, waren wir natürlich ziemlich nass - trotz der Regenjacken. Wir krochen zurück ins Zelt und ich inspizierte vorher ausgiebig das uns umgebende Wasser. Der Wasserpegel hatte sich nicht weiter erhöht und mir schien der Platz auf dem wir mit dem Zelt standen sicher genug um die Nacht zu verbringen. So verbrachten wir eine unruhige erste Nacht im Gewittersturm und hofften, dass dies kein schlechtes Omen für den weiteren Verlauf der Tour sein würde.


      

  • 2. Etappe: Refuge de Miage - Les Contamines

    Der nächste morgen war dann zum Glück etwas trockener als die Nacht zuvor. Es nieselte zwar immernoch ein wenig, aber insgesamt sah es freundlicher aus. Wir kochten Wasser für den morgendlichen Tee und das Müsli (welches wir mit warmen Wasser anstatt mit Milch (mangels Milch) aßen) und packten unser klammes Hab und Gut zusammen. Das Zelt wog nun natürlich deutlich mehr. So feucht wie ich es zusammenwickeln musste, war es bestimmt etliche hundert Gramm schwerer ;)

    Wir nahmen den Weg nach Les Contamines, einem kleinen Ort auf dem Weg zum Refuge de la Balme, ohne über das Chalets du Truc zu laufen und sparten uns so einen sehr steilen 200 Meter hohen Aufstieg direkt nach dem Frühstück :) Über einen kleinen Waldweg liefen wir direkt in die Ortschaft Les Contamines hinein und sprangen sofort in das erste Café um uns an einem leckeren Cappucino zu laben. Am Tisch sitzend, den heissen Cappucino vor der Nase dampfend, auf die dicken schwarzen Wolken blickend und die Wettervorhersage betrachtend, beschlossen wir an Ort und Stelle zu Übernachten denn am nächsten Tag sollte das Wetter wieder viel besser werden! Und schließlich waren wir im Urlaub und nicht auf einem Überlebenstraining.

    So kehrten wir in dem kleinen Hotel Grizzli ein, dessen Zimmer sogar über eine Badewanne verfügte. So ein Luxus!


  • 3. Etappe: Les Contamines - La Balme - Col du Bonhomme - Col de Fours - Refuge les Mottets

    Dies sollte ein langer Tag werden! "Nur" etwa anderthalb Stunden nach La Balme aufzusteigen war uns nicht genug. Wir wollten bis zum Col du Bonhomme (2479 m) laufen und dort in der nahen Herberge übernachten oder daneben das Zelt aufschlagen. Das Wetter war wieder richtig sommerlich geworden und die Sonne brannte uns beim Aufstieg zur La Balme Hütte auf die Nasen. Bei La Balme angekommen, machten wir eine kurze Mittagspause am Brunnen und genoßen den Ausblick ins Tal aus dem wir kamen. Dann machten wir uns auf dem Weg zum Col du Bonhomme und mussten unterwegs sogar noch ein großes Schneefeld überqueren das sich trotz der sommerlichen Temperaturen standhaft hielt.

    Überall um uns herum war Wasser - und zwar in Trinkwasserqualität. Die Gletscher und Schneefelder in den hohen Regionen schmolzen und lieferten das beste und schmackhafteste Wasser das man sich nur vorstellen kann und für das man in der Stadt teures Geld bezahlen muss. Als wir später eine Gruppe von Wanderern aus Isreal trafen, erzählten sie uns wie beeindruckt sie von all dem vielen Wasser waren. In Israel, so sagte man uns, sei es eine Attraktion wenn man einer Quelle oder einem Wasserfall auf dem Weg begegenet.

    Der Weg zum Col du Bonhomme war sagenhaft schön. Anstatt zum Col des Fours (2665 m) liefen wir zum Refuge de la Croix-du-Bonhomme, dass ganz in der Nähe lag. Ein paar Meter entfernt von der Hütte fanden wir einen perfekten Platz zum Zelten. Auf einem Platou waren drei flache Plätze mit Steinen umrundet um Zelte gegen den kühlen Wind zu schützen. Wir bauten unser Zelt auf und aßen leckeres Brot mit würzigem Käse.

    Nach einer Weile zogen Wolkenfelder über den nahen Bergkamm und wir stellten uns vor, wie es wohl wäre in 2500 Metern Höhe in ein nächtliches Gewitter zu geraten. Keine sehr angenehme Vorstellung. Da es auch noch recht früh war, vielleicht 14 oder 15 Uhr, und sich die Beine gut anfühlten, beschlossen wir weiter - bis zum Refuge les Mottets zu laufen.

    Also packte ich das Zelt wieder ein und wir machten uns an den Aufstieg zum Col des Fours; einem Pass nahe dem höchsten Punkt der TMB. Auf dem Pass lag noch ein wenig Schnee, den wir aber vorsichtig mit unseren Wanderstiefeln überqueren konnten. Der Abstieg war problemlos und komplett Schneefrei. Der Weg zog sich ziemlich lang und als wir in dem Mini-Dörfchen "Ville des Glaciers" ankamen, waren wir schon ziemlich platt. Der letzte, leichte "Anstieg" in Richtung der Herberge zog sich lang unter der brennenden Nachmittagssonne. Puh!

    Ein paar hundert Meter vor dem Refugio liegt, direkt neben dem Weg, eine alte Runie in deren Gemäuer man prima Zelten kann. Was wir auch taten. Es war einer der schönsten Zeltplätze der ganzen Wanderung. Wir holten frisches Wasser direkt aus dem sehr nahe gelegenen Fluss. Etwas später kamen noch zwei Wanderer hinzu, Alex und Pierre aus Genf und Paris, die ihr Zelt aufschlugen. So verbrachten wir einen angenehmen Abend und eine ruhige Nacht.


  • 4. Etappe: Refuge les Mottets - Col de Chercroui (Refugio Maison-Vieille)

    Direkt nach dem Frühstück ging es mal wieder knackig nach oben. Der Weg ab der Mottets Herberge war steil und führte direkt zu einem Pass, der die Französisch-Italienische Grenze darstellt. Dort oben gibt es allerdings keine Passkontrolle. Die Grenze besteht aus einem kleinen Grenzstein und einer aus Steinen gezogenen Linie. Ein Schritt und schwups - schon waren wir in "Bella Italia"! Die Landschaft veränderte sich schlagartig und man spürte, dass man sich nun auf italienischem Boden bewegte. Wir kamen vorbei an alten Steinruinen und liefen dann einen Weg hinab in ein wunderschönes Tal das es zu durchwandern galt. Am Ende des Tals ging der Weg wieder sehr sehr steil hinauf - unser letzter Aufstieg für diesen Tag, der sich aber ziemlich lang zog. Oben angekommen, mussten wir noch etliche Kilometer auf einem Balkon mit wunderschönem Ausblick laufen, ehe wir mit schweren Beinen zum Refugio Maison-Vieille kamen. Die vielen bunten "Pace" Fahnen an dem urigen, steinernen Refugio wehten im Wind und etliche Gäste ruhten sich auf den Bänken vor der Hütte aus und tranken kühles Bier.

    Auch hier konnten wir wieder problemlos unser Zelt aufschlagen. Auf der Rückseite des Hauses fanden wir einen guten Platz auf gemähtem Rasen. Im laufe des Abend fanden sich etliche weitere Wanderer mit Zelten ein und auch unsere Freunde Alex und Pierre waren wieder mit dabei. Wir genoßen den Abend bei Pasta und leckerem Rotwein und begaben uns früh in die kuscheligen Schlafsäcke.


       

  • 5. Etappe: Refugio Maison-Vieille - Courmayeur

    Wir schliefen sehr lang an diesem morgen, denn wir hatten es fürwahr nicht eilig. Die kürzeste Etappe lag vor uns und ein Pausentag stand uns bevor. Lediglich sechs Kilometer und knapp 800 Höhenmeter Abstieg hatten wir zu bewältigen um in die kleine, wunderschöne italienische Stadt Courmayeur zu kommen. Dort wollten wir zwei Nächte in einer Pension übernachten und die Seele baumeln lassen.

    Nach dem Frühstück - wie immer Müsli mit warmen Wasser - kämpften wir mit einer wildgewordenen Horde Moskitos die sich auf die zeltenden Wanderer stürzte um ebenfalls ihr Frühstück einzunehmen. Autsch!

    Der Weg hinunter zur Stadt war recht unspektakulär. Dafür war die Stadt umso schöner. Durch enge Gassen laufend, bewunderten wir die schönen, alten, verzierten Häuser - eine Architektur für den Menschen gemacht. Wir quartierten uns in der zentral gelegenen Pension Venezia ein, die einfache aber ruhige Zimmer mit Balkon hatte und unsere Reisekasse mit nur 46,- Euro pro Nacht belastete.

    Was tut man als Touri als erstes in Italien? Klar - man isst eine Pizza! ;-) So kam es dann auch. Nachdem wir den Ort ausgekundschaftet und alle Läden durchstöbert hatten, kehrten wir Abends in eine Pizzeria ein und ließen es uns bei lecker Pizza und Rotwein gut gehen.

    Wir genoßen den nachfolgenden Pausentag in vollen Zügen. Italien ist wirklich ein wunderbares Land und vor allen Dingen ein Land mit einer Kaffeekultur. Nachdem uns die wässrige Plurre in Frankreich fast umgebracht hatte, mussten wir unsere Gaumen mit italienischem Cappucino verwöhnen, denn dass, was uns in der Schweiz in Sachen Kaffee erwartete war mindestens genauso schlimm - wenn nicht noch schlimmer - als in Frankreich ;-)


  • 6. Etappe: Courmayeur - Rifugio Bertone - Rifugio Elena

    Nachdem wir uns und unsere Beine erholt hatten, stand uns eine weitere lange Etappe bevor. Der Aufstieg von Courmayeur zum Rifuio Bertona verlief recht steil und schön schattig durch einen Wald am Hang. Beim Rifugio angekommen, machten wir kurz Rast und zogen die Schuhe aus um die nassen Füsse zu trocknen. Nach einem kleinen zweiten Frühstück ging es dann weiter. Wir liefen nicht den in unserem Buch empfohlenen Weg über den Col Sapin, sondern folgten dem ofiziellen TMB-Weg. Dieser verlief deutlich flacher auf einem Balkon mit Blick hinunter ins Tal. Nach etlichen Kilometern kamen wir am Rifugio Bonatti an - einer Zwischenstation auf unserem Weg. Dort tranken wir leckeren Cappuccino, trockneten die Füsse und aßen Brot mit "Tomme" - dem Käse der Region.

    Wir stiegen von der Hütte nicht hinab ins Tal, sondern folgten dem Höhenweg auf dem Balkon nach Lavachey. Dieser Weg war deutlich schöner und vor allen Dingen auch angenehm kühler als der Weg durch das öde und von einer Autostraße durchzogene Tal. So liefen wir auf dem Balkonweg und stiegen dann in Lavachey hinab ins Tal. Dort querten wir einen Fluss und stiegen dann wieder hinauf auf einem kleinen, sehr steilen Weg der uns zum Rifugio Elena führen sollte. Dieser letzte Weg war sehr anstrengend. Zum einen hatten wir schon etliche Kilometer in den Beinen und zum anderen brannte die Nachmittagssonne nun besonders heiß vom Himmel.

    Mit letzter Kraft erreichten wir das Haus Elena in 2062 Metern Höhe. Hier blies ein kalter, starker Wind und wir entschieden uns im Rifugio zu übernachten. Offiziell ist es zwar nicht gern gesehen aber trotzdem durchaus möglich hinter dem Haus auf der Wiese zu zelten. Ich habe das beim letzten Mal gemacht und auch die Hüttenwirtin zuckte nur mit den Schultern und zeigte hinters Haus, als wir nach einer Möglichkeit zum Zelten fragten.

    Der Schlafsaal war groß, aber durch die geschickte Aufstellung der Betten und Schränke bot der Raum jedem Gast trotzdem eine gewisse Privatsphäre. Wir sprangen unter die erfrischende Dusche und aßen zum Abendbrot ein Omelett. Dazu gab es leckeren Gamay Rotwein, den wir uns nach der anstregenden Wanderung führwahr verdient hatten!


  • 7. Etappe: Rifugio Elena - La Fouly

    Eigentlich stand für heute eine fast 29 Kilometer lange Etappe von Elena nach Champex an. Das ist an sich - im flachen Land - schon eine anstrengende Wanderstrecke. Nimmt man dann noch knapp 1000 Höhenmeter Auf- und 1500 Höhenmeter Abstieg dazu, wird so etwas schnell zur Tortour. Da wir ja, wie bereits erwähnt, im Urlaub waren und nicht beim 30 Kilometermarsch des Militär, beschlossen wir diese Etappe einfach zu splitten und bis zum Campingplatz in La Fouly zu gehen.

    Als wir früh morgens das Rifugio Elena verließen, tobte draußen ein eiskalter Wind und dichte Wolken hüllten uns ein. Ich war froh, dass wir uns am Vorabend entschieden hatten nicht zu zelten, denn sonst wären wir ziemlich durchgefroren und klitschnass gewesen.

    Der Aufstieg zur italienisch-schweizerischen Grenze am Grand Col Ferret (2537 m) war, wie so oft ;-), ziemlich steil. Dieses Mal kamen allerdings noch ein starker Wind, leichter Regen und dicke Wolken hinzu. Oben am Pass angekommen, war der Wind so stark, dass wir uns beeilten schnell in die Schweiz zu gelangen um wieder ein paar Höhenmeter abzusteigen. Selbst als wir an der bewirtschafteten Hütte Alpage de la Peule (2071 m) ankamen, waberte der Nebel noch um uns herum. Weiter ging es in Serpentinen hinab nach Ferret und auf einem kleinen Weg wieder hinauf auf einen Balkonweg nach La Fouly.

    In dem kleinen Dorf La Fouly angekommen, deckten wir uns mit Lebensmitteln in dem einzigen Supermarkt im Ort ein. Dann gingen wir zu dem nicht weit entfernten Campingplatz, der nett an einem Gletscher gelegen ist und bauten unser Zelt auf einer Wiese nicht weit der Rezeption entfernt auf. Nach dem Abendessen sprangen wir noch unter die Dusche und schon um 21 Uhr schliefen wir ein.


  • 8. Etappe: La Fouly - Champex

    Und weiter ging es - auf nach Champex in der Schweiz. Champex ist ein netter kleiner Ferienort mit einem blauen, klaren See als Hauptattraktion. Dort wollten wir einen Pausentag einlegen und uns etwas regenerieren.

    So liefen wir also bei strahlendem Sonnenschein auf einem schönen Weg durch urige schweizerische Dörfer. Der Aufstieg von Issert nach Champex beträgt etwa 400 Höhenmeter - die nach einem langen, heißen Tag nochmal alle Kraftreserven forderten.

    In Champex angekommen, liefen wir durch den Ort zu einer Herberge um uns in ein ruhiges Zimmer einzuquartieren. Laut Aushang der Herberge sollte eine Übernachtung mit Halbpension 44,- Euro pro Person kosten. Letzendlich bezahlten wir allerdings 51,- Euro pro Kopf für das sehr einfache Zimmer (ohne Dusche & WC) - was uns leider erst bei Rechnungsstellung auffiel. Man erklärte uns, dass die Zimmer teurer seien als die Übernachtung im Schlafsaal. Trotzdem empfanden wir es als unverschämt, erst im nachhinein darauf hingewiesen zu werden. Wanderern, die ihre Reisekasse in der teuren Schweiz etwas schonen möchten, sei der nahe Campingplatz direkt am Ortsausgang empfohlen :)

    Unseren Pausentag genossen wir in vollen Zügen und schlenderten ein wenig im Ort herum. Als wir dann am darauf folgenden Tag weiterwandern wollten, schlug das Wetter plötzlich um. Schon in der Nacht kamen Wolken auf und es gewitterte. Morgens regnete es dann in Strömen und der Donner grollte uns entgegen. So beschlossen wir noch einen weiteren Tag "Zwangspause" einzulegen :)


  • 9. Etappe: Champex - Trient

    Zwar war das Wetter etwas besser geworden, aber trotzdem war es weiterhin noch stark bewölkt. Ursprünglich erwartete uns an diesem Tag die schwerste aber auch spektakulärste Etappe der ganzen Wanderung - der Weg über Fenetre d'Arpette (2665 m) und der Weg entlang des Gletschers hinab nach Trient. Da dieser Weg aber sehr steil und selbst bei gutem Wetter nicht ganz ungefährlich zu gehen ist, beschlossen wir die alternative Schlechtwetter-Route zu nehmen. Da ich diesen Weg vorher noch nie gegangen war, war dies die erste Etappe dieser Wanderung, die vollkommen neu für mich war. Der Weg verlief sehr schön mit einem weiten Ausblick in das Tal von Martigny. Als wir in Trient ankamen, liefen wir noch etwas weiter bis Le Peuty - einem winzigen Dörfchen bestehend aus zwei Häusern und zwei Kühen - und bauten unser Zelt auf dem kleinen Zeltplatz im Ortskern auf. Später am Abend kam ein netter alter Herr und kassierte jeweils 4 Franken pro Nase für die Übernachtung. Auf einem riesigen Stein mit Sitzbank kochten wir unser Abendessen und genossen den Ausblick auf den riesigen, blauweiß schimmernden Gletscher, in dem sich die Abendsonne spiegelte.


       

  • 10. Etappe: Trient - Tre-le-Champ

    In dieser Nacht war es besonders kühl, denn die Kälte hatte sich über Nacht wie ein Wasserfall vom Gletscher hinab ins Tal ergossen. Morgens war es immer noch knackig kalt und die Finger waren steif beim Aufrollen des Zeltes. Brrrr.

    Der Aufstieg erfolgte durch ein Waldstück am Hang, an dessen oberem Ende sich bereits die Sonne zeigte. Ja, zu der wollten wir! Wärme! :)

    Unterwegs trafen wir auf große, geführte Wandergruppen mit Kindern und Jugendlichen. Esel trugen in wasserdichten Säcken das schwere Gepäck, während die Menschen lediglich mit leichtem Tagesgepäck ausgerüstet waren. An der Hütte bei Col de Balme machten wir Mittagspause und genossen den unbeschreiblichen Ausblick auf den weißen Gipfel des Mont-Blanc und dem darunterliegenden Tal bei Chamonix. Wir waren nun wieder nahe unserem Startort angekommen und überschritten hier die Grenze zurück nach Frankreich.

    Wir wanderten den wunderschönen Weg über den Aiguilette des Posettes (2201 m) hinab nach Tre-le-Champ. Dort angekommen liefen wir gleich weiter in die naheliegende Stadt Argentiere (knapp 15-20 Minuten entfernt) und frischten unsere Lebensmittelvorräte im dortigen Supermarkt auf. Dann liefen wir zurück zu einem Campingplatz in Frasserand und bauten unser Zelt an einem schattigen Platz auf. Das Abendessen fiel etwas reichhaltiger aus als in den letzten Tagen und auch der lokale "Gamay" Rotwein mundete ganz hervorragend dazu.


  • 11. Etappe: Tre-le-Champ - Chamonix

    Wir verbrachten eine ruhige Nacht auf dem Campingplatz und stiegen dann am Ortseingang von Tre-le-Champ auf den Weg zum Tete-aux-Vents ein. In steilen Kehren zog sich der Weg bis zu einem Klettersteig. Dort mussten einige Leitern und ein paar gesicherte Kletter-Passagen überwunden werden. Das erforderte Trittsicherheit und Schwindelfreiheit und war eine angenehme Abwechslung auf unserem bisherigen Weg. Am Tete-aux-Vents in 2130 Metern angekommen, bot sich uns ein unglaublicher Anblick auf den Mont-Blanc und dessen Gletscher. Man konnte direkt ins Tal hinab nach Chamonix blicken und wir konnten uns an diesem Anblick gar nicht satt genug sehen.

    Ich spürte schon morgens einen leichten Druck an meiner linken Ferse, der beim Aufstieg nun zu einem heftigen Schmerz geworden war. Dieser begleitete mich auch auf dem nachfolgenden Weg zu unserem Etappenende beim Refuge de la Flegere. Ich war froh dort angekommen zu sein und hoffte, dass es dem Fuß am nächsten Tag wieder besser gehen würde um die letzte Etappe nach Les Houches in Angriff nehmen zu können.

    Vor der Hütte sitzend beschlossen wir dann allerdings unsere Rundwanderung hier enden zu lassen, da wir nicht in der Herberge übernachten wollten und sich keine geeignete Möglichkeit zum Zelten in der unmittelbaren Nähe anbot. So nahmen wir die Seilbahn hinab nach Chamonix und kehrten auf einem der vielen lauschigen Campingplätze im Ort ein. Dort verbrachten wir einen angenehmen Abend und eine ruhige Nacht. Am nächsten Tag zogen wir los und suchten uns in der Innenstadt ein Hotel für die letzten beiden Tage, die wir vor unserer Rückreise hier noch verbringen wollten.


  • Das Fazit

    Das war sie also - Romanas erste und meine dritte Mont-Blanc-Umrundung. Es hätte schöner und abwechslungsreicher nicht sein können. Jede Etappe war anders als die vorherige und hatte ihren ganz eigenen Charakter. Jede Etappe war eine sportliche Herausforderung. Im Schnitt gingen wir über 15 Kilometer pro Tag und absolvierten dabei 1000 Höhenmeter Auf- und Abstieg. Die TMB ist wahrlich die Königin unter den europäischen Trekking-Touren.



  • 4 Kommentare

    Also, wenn ich mir diese Bilder angucke, dann weiß ich doch schon, was ich nächsten Sommer mache. Eure Seite ist besser, als jeder Reiseführer. Clemens und ich warten übrigens schon sehnsüchtig auf euren Bericht über den GR20...;-) Ganz liebe Grüße aus Mainz!

    ich habe mich voll über deinen ausführlichen bericht gefreut, da ich mit der planung meiner tmb letzten september angefangen habe, bevor führer und wanderkarte bei mir ankamen :-) dein bericht machte nicht nur lust auf den weg, sondern hat mir auch bei der planung der etappen geholfen. letztendlich bin ich dann doch jeden tag gelaufen, so lange ich lustig war. für mich war es die erste fernwanderung, aber ganz sicher nicht die letzte :-) vielen dank!

    Da krippelt es in meinen Wanderwaden. Dein Beitrag macht richtig Lust auf's Wandern.

    Schoene Tour, tolle Fotos... sehr Bart!

    Bei mir wird's diesem Sommer wohl nix mehr mit wandern, bin zu sehr ab Abnerden... aber im Winter gibt's auch noch Urlaub ;)

    Gruss Stefan

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    • Annette: Also, wenn ich mir diese Bilder angucke, dann weiß ich weiter lesen
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