|
|
|
|
|
Dabei war der Start für mich auf der 155 Kilometer langen Rennstrecke aus dem Startblock A scheinbar gut verlaufen. Ich startete zusammen mit Marco und Clemens. Kurz vor dem Startschuss wünschten wir uns viel Glück und dass wir unverletzt ins Ziel kommen mögen.
Dann erfolgte der Countdown und dann der Startschuss. Wir standen in der Mitte des Blocks, da wir nicht gleich von Anfang an ganz vorne fahren wollten. Auf den ersten 100 Kilometern dürfen sich die 100'er Teams austoben; wir wollten unsere Kraft für die restlichen 55 Kilometer aufsparen.
Als wir langsam losrollten, hörten wir einen zweiten Knall. Jemandem war gleich nach dem Startschuss der Reifen geplatzt. Ungünstig. Viele weitere Reifenplatzer hörte ich auch auf den ersten 20 Kilometern. Nach hektischen Vollbremsaktionen in der Gruppe zerriss es regelmäßig einem der Fahrer den Reifen und der Geruch von verbranntem Gummi lag für ein paar Sekunden in der Luft.
Wie auch im letzten Jahr schon erlebt, ging es von Anfang an ziemlich schnell zur Sache. Im Block A wurde zwar recht diszipliniert gefahren, fast alle konnten - auch in Kurven und am Berg - ihre Spur sauber halten, aber nicht weniger schnell und ambitioniert als in den hinteren Blöcken. Das war zumindest mein Eindruck, nachdem ich im letzten Jahr aus Block E gestartet war und dort etliche übermotivierte Fahrer sah, die andauernd die Spur wechselten oder auf Teufel komm raus links überholen wollten, obwohl dort eigentlich kein Platz vorhanden war.
So wechselte die Geschwindigkeit immer wieder zwischen 40-60 km/h und nach jeder Kurve oder jedem kleinen Hügel musste mit voller Kraft angetreten werden um das Spitzenfeld nicht zu verlieren. Nachdem wir Harburg passiert hatten und auf breiter Landstrasse fuhren, entspannte sich die Rennsituaton etwas und das Feld rollte mit 40-45 km/h dahin. Immer wieder kam es zu hektischen Bremsmanövern, bei denen es gelegentlich zu Stürzen kam. Ganz besonders nervös wurde das Feld kurz vor Holm-Seppensen, da sich bei Kilometer 46 eine gefährliche Baustelle mit zwei Mal 300 Metern Straßenverengung befand. Wie ich später erfuhr, wurde Clemens kurz vor Holm-Seppensen in einen Sturz verwickelt, bei dem er sich leichte Schürfwunden und ein aufgeplatzes Knie zuzog. Er ließ sich verarzten und fuhr anschließend noch bis ins Ziel. Respekt!
|
|
|
|
|
|
|
|
Als die angekündigte Baustelle dann schließlich kam, wurde sehr vorsichtig gefahren. Die Teams an der Spitze ließen es sich aber nicht nehmen, direkt hinter der Baustelle das Tempo deutlich anzuziehen um die Meute abzuschütteln. So verbrauchte ich viel Kraft beim Zusammenfahren der Lücke zum Hauptfeld, welches unglücklicherweise auch noch an einer direkt anschließenden Linkskurve - inklusive knackiger Steigung - mit Vollgas hochfuhr. Puh.
Das Tempo zurück in Richtung Hamburg war, bedingt durch den Rückwind, sehr schnell, aber immerhin noch so moderat, dass ich die Beine ein wenig ausruhen konnte. Zehn Kilometer vor dem Ende der 100-Kilometer Strecke merkte ich, wie es spürbar hektischer im Fahrerfeld wurde. Die 100'er Teams brachten sich in Position um beim Zieleinlauf ganz vorne dabei zu sein. Etliche Teilnehmer fuhren jetzt mit vollem Risiko auf Radwegen oder parallelen Straßenverläufen am Feld vorbei nach vorne um ein paar Plätze gutzumachen.
Als wir die Innenstadt erreichten, ordnete ich mich rechts ein um die letzten 55 Kilometer in Angriff zu nehmen. Ich fuhr bis zur Streckenteilung im hinteren Teil des Feldes um mich aus den Plazierungskämpfen herauszuhalten und bemerkte nun plötzlich, dass das ein taktischer Fehler gewesen war. Das Spitzenfeld fuhr sofort mit Vollgas um die Anzahl der Fahrer im Hauptfeld soweit es geht zu dezimieren. Ich biss die Zähne zusammen und versuchte in Unterlenkerposition mit 50-55 km/h an das Feld heranzufahren. So fuhr ich am Dammtor vorbei, dann an der Kreuzung zur Grindelallee, dann an Schlump und Christuskirche - und ich kam nicht näher heran! Das Hauptfeld fuhr vielleicht 200-300 Meter vor mir, aber sie waren genauso schnell wie ich. Ich kam nicht ran und meine Kraftreserven neigten sich allmählich dem Ende zu!
Irgendwann musste das Feld eine Kurve fahren, bei der es etwas langsamer wurde. So konnte ich wieder aufschließen. Meine Lunge brannte und die Beine fühlten sich jetzt überhaupt nicht mehr frisch an. Ich war froh den Anschluß nicht verloren zu haben, denn einige Kilometer später wurde wieder etwas moderater gefahren und ich konnte im Windschatten mitschwimmen.
Auf der Bundesstraße in Richtung Holm fing es dann plötzlich zu regnen an. Erst ganz langsam, dann immer stärker. Nach ein paar Minuten konnte ich durch meine Sportbrille kaum noch etwas erkennen und ich bekam den Wasserstrahl des Hinterrades meines Vordermanns ins Gesicht. Das Feld fuhr jetzt vorsichtiger. Niemand wollte, so kurz vor dem Ziel, einen Sturz auf der nassen Fahrbahn riskieren.
Als wir "Willkomhöft" passierten und in Richtung des Kösterberg fuhren, wurde es etwas trockener und das Tempo dementsprechend wieder deutlich höher. Hektisch wurde um die vorderen Plätze gekämpft, denn jedem war klar, was gleich am Kösterberg passieren würde. Ich hielt mich aus den Plazierungskämpfen raus, um nicht noch auf den letzten 15 Kilometern in einen Sturz verwickelt zu werden. An den beiden Steigungen des Kösterberg fand dann eine der letzten Sondierungen statt. Hier wurde nochmal mit Volldampf gefahren und wer nicht ganz vorne mit dabei war, fiel hinten raus. So passierte es auch mir. Zwar fuhr ich den Berg recht zügig hinauf, verpasste dann aber den Anschluß ans Hauptfeld. Auf der Abfahrt des Kösterbergs gab ich noch einmal alles - aber es reichte nicht mehr um wieder den Anschluß zu finden.
So sammelte sich dann eine Splittergruppe von vielleicht 30 Fahrern, die die letzten zehn Kilometer auf der Elbchaussee in Angriff nahmen. Die Gruppe arbeitete nicht gut zusammen - kaum jemand wollte vorne im Wind fahren und dabei die letzten Kraftreserven verbrauchen. Ich fuhr eine Zeitlang vorne, um die Gruppe wieder auf Renntempo zu bringen und als wir am Altonaer Balkon ankamen, lief die Gruppe etwas besser. Auf der Palmaille fuhr ich ganz vorne, denn die giftige Linkskurve hinauf zur Reeperbahn war mir noch aus dem letzten Jahr in Erinnerung geblieben. An dieser letzten Steigung platzten im Vorjahr einige Fahrer. Wer hier hinten fuhr, wurde vielleicht ausgebremst und verlor den Anschluß.
Aus einem Augenwinkel las ich das Schild, das die letzten 1.5 Kilometer ankündigte! Ich bemühte mich, vorne im Feld zu fahren - spürte jetzt aber deutlich die Anstrengung der bisher gefahrenen 155 Kilometer in den Beinen. Drei Fahrer sprinteten an mir vorbei und ich konnte nicht mehr beschleunigen um an ihnen kleben zu bleiben - das war einfach nicht mehr drin. So trafen wir auf die Zusammenführung mit den 100'er Fahrern und fuhren in den "Schlauch", der uns zum Ziel führte. Hier war es proppenvoll, trotzdem versuchten einige übermotivierte Fahrer noch einen Platz gut zu machen und gefährdeten dabei sich und andere. Der Zieleinlauf war gesäumt von tausenden von jubelnden und klatschenden Zuschauern. Eine wirklich schöne Erfahrung!
Auf dem Rathausmarkt trafen sich dann alle Störtebiker und berichteten von ihren Erlebnissen. Ich erfuhr, dass Marco direkt nach dem Startschuss der Schlauch geplatzt war ... Grmpf! Er hatte etliche Minuten damit zugebracht den Schlauch zu wechseln und startete anschließend aus Block D. Da die Startblöcke A und B mit Blockstartzeit starteten, verlor er dabei wertvolle Minuten.
Romana konnte ihre Vorjahreszeit auf 2:36:46 verbessern und belegte damit Platz 35 der 100km-Damenwertung und Platz 14 in ihrer Altersklasse. Ich konnte meine 155km-Zeit um über zwei Minuten auf 3:43:19 verbessern und damit den Gesamtplatz 165 und Altersklassenplatz 80 erreichen.
Die Ergebnisse der Störtebiker:
Berichte zur Cyclassics 2005 und 2006

Jetzt kommentieren