Wanderwochenende im Harz

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''Große Steine,
müde Beine,
saure Weine,
Aussicht keine.

Heinrich Heine''

Dieser legendäre Eintrag im Gästebuch der Brockenherberge bringt es auf den Punkt. Viel mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen, oder? Vorsicht: Satire!

Tag 1: Anreise und Plattfüße

Als Bewohner des Nordens der Republik sind wir bekanntermaßen mit dem flachen Land geschlagen. Und was gibt es für den ambitionierten Wanderer schlimmeres, als durch zusammenhanglose Nutzwaldflecken im industrialisierten Norddeutschland zu laufen? Das ist etwa so attraktiv, wie auf dem Standstreifen der Autobahn zu wandern.

Doch selbstverständlich gibt es in unmittelbarer Reichweite auch attraktive Alternativen. So hatten wir die Auswahl entweder in den Harz, den Harz oder den Harz zu fahren. Die Entscheidung fiel uns nicht leicht und letzendlich entschieden wir uns für den Harz um endlich wieder mehr als 30 Höhenmeter am Stück aufsteigen zu können.

Wir nutzen das verlängerte Wochenende und fuhren mit der Bahn nach Bad Harzburg. Bepackt mit großen Rucksäcken wollten wir drei Tage wandern und uns auf unsere große Trekking-Tour im Juli vorbereiten. So kamen wir recht früh am Morgen in der beschaulichen Kurstadt an, füllten unsere Essensvorräte in der Innenstadt auf und aßen ein vorzügliches Stück Käsekuchen mit Mohn zum Frühstück.

Der erste Aufstieg zum Burgberg (482m) fiel nicht schwer - es war sonnig, aber noch recht kühl - denn die Rucksäcke waren unter 12 Kilogramm schwer. Wir hatten nicht die komplette Ausrüstung, sondern nur das Allernotwendigste dabei. Beim Molkenhaus angekommen, liefen wir ein Stück auf dem Kaiserweg, bogen dann aber frühzeitig auf einen kleineren Pfad in Richtung Eckertalsperre ab.

Wir umrundeten den Brocken zu unserer Linken und beendeten die Tagesetappe nach knapp 26 Kilometern beim Campingplatz am Schierker Stern. Die Füße brannten wie Feuer und vor allen Dingen das letzte Stück von Schierke zum Campingplatz zog sich unendlich lang. Wir bauten unsere Zelte auf, sprangen unter die erfrischende Dusche und wärmten uns am knisternden Lagerfeuer. Ein gelungener erster Tag!

Auf dem Weg ...zur Brocken-Erbsensuppe
Echte zwei "Pferdestärken"Wanderer

Tag 2: Die geballte Ladung schlechten Geschmacks

Wir wurden durch die morgendlichen, in unser Zelt schimmernden Sonnenstrahlen geweckt. Nach einem Frühstück im Freien machten wir uns auf den Weg den Brocken (1140m) auf dem einzigen attraktiven Weg, über das Eckerloch, zu besteigen. Während sich die Massen auf der breiten Panzerstraße hochwalzen, muss man für die Eckerloch-Route ein klein wenig Technik beherrschen und über eine gewisse Grundausdauer und Kraft verfügen.

So war der Weg dann auch nicht sonderlich überfüllt, als wir nach einer morgendlichen Kaffeepause in Schierke den Einstieg zum Brocken nahmen. Kurzzeitig liefen wir neben einem Pferdegespann her, das eine Gruppe rauchender und biertrinkender Rentner zum Gipfel zog.

Was für eine Vorstellung der vollendeten Gemütlichkeit ganz eigener Art: in einem mit Planen von der Außenwelt abgeschirmten Wagen im Zigarettenqualm sitzend und Bier und Schnaps trinkend zum Brockengipfel fahren. Dort fetten Bohneneintopf mit Wurst essend und rauchend und Bier trinkend ausharren um dann eine Stunde später wieder im Pferdewagen sitzend - besoffen und mit Sodbrennen - nach unten kutschiert zu werden.

Die muskulösen Pferde im Gespann arbeiten zu sehen, machte großen Spaß. Die Anmut und die pure Muskelkraft dieser großen Tiere ist jedes Mal aufs Neue beeindruckend.

Der verwinkelte und steinige Pfad endete nach einigen Kilometern und vielleicht 500 Höhenmetern und mündete an der breiten Panzerstraße. Von dort aus war es nicht mehr weit, immerhin noch ca. 100 Höhenmeter Aufstieg mit geschätzten 12-15% Steigung, bis zum Gipfel des höchsten Berges in Norddeutschland. Auf diesem letzen Stück erhöhte sich die Anzahl der Wanderer schlagartig und auch das Wetter schlug ganz neue Töne an. Ein starker, kalter Wind blies und dichter Nebel zog den Weg hinauf. Es wurde ungemütlich und wir legten Fleece- und Regenkleidung an um nicht auszukühlen.

Beeindruckend war zu sehen, wie viele Gipfelstürmer in T-Shirt oder Jeansjacke, Cowboystiefeln und Fluppe in der Hand, scheinbar völlig unvorbereitet auf einen Wetterumschwung, zum höchsten Punkt strebten.

Saure Weine, Aussicht keine

Herr Heine hätte einen guten Meteorologen mit seiner finalen Vorhersage abgegeben. Und so kam es dann auch.

Das Restaurant auf dem Brockengipfel ist meiner Meinung nach das nordische Zentrum des schlechten Geschmacks der rustikalen Küche. Der Speiseplan bietet dem naturliebenden, ernährungsbewussten Wanderer Leckereien wie Pommes mit Wurst, Erbensuppe mit Bockwurst oder belegte Brötchen mit Wurst. Eine Anfrage nach einem belegten Brötchen mit Käse wurde in klassisch deutscher Unfreundlichkeit mit "sowas machen wir nicht" abgeschmetttert. Käse? Wieso will denn hier einer nur Käse auf das Brot? Öko oder was? (Anmerkung: Hr. Schneider, bitte intervenieren Sie umgehend!)

Mittlerweile an die ostdeutsche Gastronomische Unkultur gewöhnt, arrangierten wir uns mit einer Portion Pommes und einem alkoholfreien Hefeweizen.

Der Weg hinab nach Schierke verlief unspektakulär, aber leider für mich ein wenig schmerzhaft, da ich mir die rechte Ferse wund gelaufen hatte. Die Füße müssen, nach etlichen Monaten des Entzuges, wieder an die derben Wanderstiefel gewöhnt werden; was absolut der Intention unseres Aufenthalts entsprach. Schmerzen waren also eingeplant.

Abends ließen wir nach dem Abendessen wieder das Lagerfeuer brennen. Was gibt es entspannenderes nach den Strapazen des Tages, als in die rot nuancierende Glut eines offenen Feuers zu schauen?

Tag 3: Abreise und finale Weisheit

Zurück ging es mit dem Bus. Dieser fuhr zweistündlich direkt ab dem Campingplatz nach Braunlage. Von dort aus fuhren wir weiter zurück nach Bad Harzburg. Wir hatten noch Zeit für eine kurze Rundwanderung zum Burgberg und von dort aus wieder zurück in die Innenstadt.

Wir verbrachten drei wunderschöne Tage im Harz und hatten vor allen Dingen mit dem Wetter großes Glück. Allerdings werden wir uns bei unseren nächsten "Trainingswanderungen" in andere Gebiete des großen Nationalparks orientieren - denn der Harz besteht nicht nur aus dem Brocken!

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