Mein zweiter Marathon

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Als ich im Bahnhof Berlin Spandau auf den Zug zurück nach Hamburg wartete unterhielt ich mich mit einem Teilnehmer des Radmarathon Hamburg-Berlin. Er sagte zu mir "Die Leute fragen mich 'warum tust Du Dir das an?'" und genau in diesem Moment konnte ich darauf auch keine Antwort finden. Das Mannschaftszeitfahren Hamburg-Berlin das jedes Jahr vom Audax Club S-H veranstaltet wird ist für mich ein schöner Saisonabschluss; wenn ich mit "schön" das Aushalten von Schmerzen und das Ausloten der eigenen Leistungsgrenzen assoziiere.

Unser Team hieß "Störtebiker meets Höllentouristen". Allerdings ließen sich die beiden Höllentouristen aus Berlin nicht blicken und sagten kurzfristig ab. Auch unser "Reservemann" Stefan stieg mit einer Muskelreizung aus. So schrumpfte unser ursprüngliches 5'er Team auf ein 3'er Team bestehend aus Clemens, Philipp und mir zusammen. Philipp war extra für dieses Event aus New York angereist und wir wollten es zu dritt ordentlich krachen lassen!

Als wir uns morgens um halb sieben in der Früh am Bahnhof Bergedorf trafen hatte ich bereits ein erstes Frühstück und einen Kaffee hinter mir. Wir fuhren gemeinsam die zehn Kilometer in Richtung des Startpunktes in Altengamme.

48 Teams und Einzelfahrer waren in diesem Jahr dabei um von Hamburg Altengamme die 276 Kilometer nach Berlin Spandau zu fahren. Die erste und einzige Verpflegungsstelle und Kontrollpunkt befand sich in Dömitz bei Kilometer 92. Es bestand die freie Streckenwahl; allerdings folgten viele Randonneure der optimalen Streckenempfehlung des Veranstalters.

Die Teams starteten nacheinander im Abstand von einer Minute. Der Startschuss fiel für uns um 7:26 Uhr. Es war noch dunkel und ziemlich kalt. Wir fuhren ein zügiges Tempo mit einer Reisegeschwindigkeit zwischen 32 und 38 km/h. Als wir in Dömitz ankamen waren wir schon ziemlich geschafft. Die sehr hügelige Strecke an der Elbuferstraße hatte Kraft gekostet und der kontinuierliche Gegenwind fing schon jetzt an zu nerven ;)

In Dömitz stopften wir uns mit Kuchen voll und tranken Kaffee. Ich hatte eigene Vollkornbrote dabei die mir Kraft für die nächsten einhundert Kilometer gaben. Wir hielten uns nicht lange an der Verpflegungsstelle auf denn es war so kalt, dass wir anfingen zu frieren. Ab Dömitz lief es bei mir deutlich besser. Ich fühlte mich so stark, dass ich dachte ich könnte auch 500 Kilometer am Stück fahren ;) Bei Kilometer 170 war es dann allerdings vorbei mit der Euphorie und die Realität holte mich wieder ein. Der Hintern fing an zu schmerzen und die Nackenmuskulatur verkrampfte sich. Wir beschlossen im nächsten Ort eine kleine Pause zu machen. In einem Döner-Imbiss kehrten wir ein, wärmten uns auf und tranken isotonische Getränke.

Hatten wir bisher viel Glück gehabt und weder Panne noch Sturz erlebt, sollte es nun anders kommen. Philipp rutschte auf den Steinstufen des Imbiss mit den rutschigen Radschuhen so unglücklich aus, dass sein Ellenbogen aufplatzte und stark blutete. Wir versorgten die Wunde mit einem Pflaster und machten uns dann auf den Weg um die letzten 100 Kilometer in Angriff zu nehmen.

Und die hatten es in sich! Ab Kilometer 80 vorm Ziel fing es an unangenehm zu werden. Ab Kilometer 50 taten der Hintern, Schultern und die Beine gleichzeitig weh. Die letzten Kilometer bis zur Stadtgrenze fuhr ich mit zusammengebissenen Zähnen und als der Tacho nur noch 5 Kilometer bis zum Ziel anzeigte, wünschte ich mir nur noch eins: unverzüglich vom Rad zu steigen. Was für eine Quälerei!

So kamen wir nach einer Bruttofahrtzeit (inkl. Pausen) von knapp neun Stunden und vierundfünfzig Minuten und einer Bruttodurchschnittgeschwindigkeit von 27.8 km/h am Ziel in Berlin Spandau an. Die Nettofahrtzeit belief sich auf irgendwas um acht Stunden und 20-30 Minuten sowie einem Schnitt von 31 km/h. Damit landeten wir auf Platz 16 von insgesamt 48 Teams. Zum Vergleich: der Sieger (ein Liegeradfahrer) fuhr mit einem Bruttoschnitt von 35.6 km/h, das Team der RG-Uni Hamburg landete mit einem Schnitt von 34.0 km/h auf Platz 2.

Das Ziel lag dieses Mal direkt am Hotel Schilton, in dem ich auch ein Zimmer reserviert hatte. Nachdem Clemens, Philipp und ich mit einem Hefeweizen auf die gute Teamarbeit angestoßen hatten, war für mich nur noch die Dusche und das Bett angesagt. Ich schlief 12 Stunden am Stück und am nächsten Morgen ging es mir wieder blendend :)

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[ Links ]

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