Nachdem ich um sechs Uhr aufgewacht war, schlürfte ich nach der Dusche in Richtung Sixty-Seven; dem Restaurant in meinem Hotel. Nachdem ich dort ankam und an den Tischen dicke Amerikaner Würste mit Speck essen sah, verging mir der Appetit und ich beschloss in Richtung Marktplatz zu laufen um dort ein ordentliches Frühstück aufzutreiben. Dort angekommen kaufte ich zwei Liter "Organic Whole Milk" sowie Cereals (Müsli) und Haferflocken. Mit dieser Beute lief ich zurück zum Hotel. Schlauerweise hatte ich mir aus meinem Outdoor-Besteck eine Schale und einen Löffel mitgenommen mit dem ich dann mein low-fat, low-carb, low-everything Frühstück einnahm ;)
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| American Breakfast | Leih-Rennrad auf dem Balkon | Ausblick |
Da "Gregg's Cycles" erst um zehn Uhr öffnete, machte ich mich um zirka halb elf auf die Socken. Mit einem Town-Car (ein Taxi das aussieht wie eine Limousine) ließ ich mich zu Gregg's in der Nähe des Greenlake - einem wunderschönen See - chauffieren. Der indische Taxifahrer fand die Straße nicht auf anhieb und fing nach einiger Zeit an herumzujammern weil er mir für die Fahrt eine Pauschele von $15 gemacht hatte und mit jeder Minute schlechter davonkam ;)
Bei Gregg's angekommen wurde mir von einem unmotivierten und pampigen Mitarbeiter das reservierte Rad ausgehändigt. Die Frage nach einer Versicherung (Unfalll / Diebstahl) beantwortete er mit "lies das Kleingedruckte auf der Rückseite". Ok, ich las. Da stand nichts von Versicherung. Also keine Versicherung, verstanden. Das hätte man auch einfacher kommunizieren können :) Ich trieb mich noch ein wenig im Laden herum und schaute mir an was die Rennrad-Szene hier so konsumiert. Alles in allem genau das was auch bei uns angeboten wird; nur 20-30% günstiger. Ich kaufte eine große handvoll PowerBar "'Naturals" Riegel (bestehend aus Nüssen und Getreideflocken) und zwei 750ml Radflaschen und holte dann das bereits mit meinen Speedplay-Pedalen und GPS bestückte Trek 1200 ab.
Ich hatte zuvor einen Wegpunkt vom Hotel genommen. Leider habe ich keine detaillierten, digitalen Karten von Seattle für das GPS. Immerhin sind im Gerät von Haus aus schon Grundkarten der USA mit einigen wenigen Details und Straßen enthalten, so das ich mich einigermaßen orientieren konnte. Letzendlich ist es hier auch sehr einfach nach Luftlinie zu fahren, da fast alle Straßen quadratisch zueinander angeordnet sind. Ich machte mich auf den 10 Kilometer langen Rückweg ins Hotel um die "Endmontage" vorzunehmen. Diese bestand vornehmlich daraus die affigen Speichen- und Lenker-Reflektoren zu entfernen und den Polar Geschwindigkeitssensor zu montieren. Fertig! Nun konnte es auf große Fahrt gehen.
Doch wohin? Da ich hier noch nie mit dem Rennrad unterwegs war, hatte ich keinen Schimmer wo man anständig Fahren konnte. Schlauerweise hatte ich mich vorbereitet und beim Seattle Triathlon Club mal ins Forum gepostet. Die Links die dabei herauskamen, erwiesen sich als sehr nützlich; deswegen will ich sie euch nicht vorenthalten. Wer weiss, vielleicht treibst DU Dich ja irgendwann auch mal da rum und hast keinen Plan.
Ich wählte eine Route im Norden der Stadt - den Burke-Gilman Trail - der sich idyllisch am Lake Washington entlangschlängelt. Bevor ich losfuhr prägte ich mir mit Hilfe einer Karte ein, wie ich am besten vom Hotel zum Startpunkt gelangen wollte. Wie es aber kommen musste, vergaß ich dann die "bis zum Ende und dann links, dritte rechts, zweite links, usw."-Kombination und fuhr schließlich doch wieder Luftlinie nach GPS zum Start-Wegpunkt den ich bereits auf dem Rückweg von Gregg's gesetzt hatte. Das sowas auch ins Auge gehen kann, merkte ich sehr schnell. Ich nahm die "Queen Anne Avenue", die todbringende, San Francisco-Artige Steigungen beinhaltet. Anfangs noch ganz Souverain und voller Tatendrang, fuhr ich die sich bis zum Horizont ziehende, sehr steile Steigung noch auf dem zweiten Blatt hinauf. Doch es zog sich. Und es wurde so steil, das ich das Gewicht nach vorne verlagern musste um nicht nach hinten überzufallen. An solchen Steigungen an einer roten Ampel anzuhalten ohne Rückwärts umzufallen erfordert akrobatisches vermögen. Dann, nachdem die Ampel wieder auf grün springt, in die Pedale einzuklicken und loszufahren (ohne nach hinten umzufallen) ist die Kür. Ächzend kam ich auf dem "Pass" der Queen-Annne an. Ein Wunder das in dieser Höhe kein Schnee mehr lag ;)
Ich erreichte den Burke-Gilman Trail und war sofort umgeben von Radfahrern. Dieser Trail ist am Wochenende stark frequentiert und wird neben den Radlern auch noch von Fußgängern, Wanderern, Joggern und Inline-Skatern benutzt. Alle paar hundert Meter kreuzt eine Straße und ein Stop-Zeichen mahnt zum Anhalten. Ich war ein wenig frustriert, dann mit einem solchen Stopschild-Intervall konnte ich meinen Puls umöglich auf Arbeitstemperatur bringen. Glücklicherweise wurde es nach einigen Kilometern besser und am schönsten und ruhigsten war der Trail nach zirka 20 Kilometern. Nach dreißig Kilometern war dann plötzlich Schluß - der Pfad war zu Ende. Ich entschied auf der Landstraße weiterzufahren. Ich lernte schnell, das die Amerikaner die besseren Autofahrer sind. Kein einziger Fahrer hupte mich an oder beschimpfte mich oder überholte aggresiv mit 100 Stundenkilometern und 20 Zentimeter Abstand (so wie in Deutschland absolut üblich). Die Autofahrer sind es gewohnt die Radler auf der Fahrbahn zu haben denn die Radwege bestehen in Seattle aus auf die Straße gemalte Fahrstreifen. Wenn dieser mal fehlt, wird explizit darauf hingewiesen das die Fahrbahn mit Radfahrern geteilt werden muss. Vorbildlich!
Nach vierzig Kilometern beschloß ich umzukehren um dann summa summarum insgesamt achtzig Kilometer zu fahren. Auf dem Rückweg hatte ich dann noch folgende Impressionen:
Fazit: es rockt hier bisher sehr mit dem Rennrad zu fahren - auch wenn ich noch nicht die ultimative Strecke gefunden habe. Man muss wohl wirklich erst einmal 20-30 Kilometer rausfahren um auf ruhige Straßen zu kommen wo man Kilometer schrubben kann ohne im Takt an Stopschildern anhalten zu müssen. Uuuund - das wichtigste - das Wetter ist super! 20 Grad Celsius und Sonnenschein.

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