Einmal Microsoft und zurück

| Keine Kommentare
Als ich heute mit meinem geliehenen Rennrad in Seattle unterwegs war, überlegte ich mir schon den Titel für den heutigen Artikel. Meine heißen Kandidaten waren:

  • Freakshow
  • Schnelle Rennradfahrer tragen keine Microsoft-Trikots
  • Unendliche Weiten

  • Freakshow deshalb, weil ich noch nie in meinem Leben so viele bunte Fahrräder und Radfahrer gesehen habe wie heute. Der zweite Titel erklärt sich von selbst ;) und Unendliche Weiten deshalb, weil ich heute endlich einen schönen, langen Radweg gefunden habe auf dem man spitzenmäßig trainieren kann!

    Aber dazu später mehr ...

       
    Im Kuh-TrikotEines der 1000 StopschilderRastplatz am Trail

    Eigentlich hätte der schlussendlich gewählte Titel heißen müssen "Einmal Redmond und zurück". Aber wem sagt in Deutschland schon die kleine Stadt Redmond etwas? Wohl nur den Computerfreaks - und bei denen ist sie auch eher als Brutstätte allen (Betriebssystem-) Übels bekannt ;)

    Aber mal von Anfang an. Der initiale Plan für heute war, mit dem Rad eine andere Route als die gestrige auszuprobieren. Nach eingehendem Studium des Kartenmaterials kam ich zu dem Schluss, dass es direkt in der Stadt wohl kaum einen besseren Trail gibt als den bereits gestern erkundeten "Burke-Gilman Trail". "Ok, keine Experimente am Sonntag" dachte ich mir. So ward es beschlossen. Nach dem Frühstück machte ich mich auf den Weg in Richtung des Startpunktes. Dieses Mal fuhr ich nicht über die giftige Queen-Anne (die Gute möge mir verzeihen) - sondern nahm ein paar Straßen weiter westlich. Wie es der Zufall so wollte, traf ich auf die Dexter Avenue; genau die Straße die ich gestern nicht gefunden hatte ;) Die Dexter führt in einem langen Bogen direkt auf die "Freemont Bridge" - das ist die Brücke hinter der man rechts abbiegen muss um direkt auf den richtigen Weg zu kommen.

    Und was soll ich sagen - heute war der wilde Bär los! Hunderte, tausende von Radfahrern tummelten sich auf dem Pfad! Sowas hatte ich noch nie erlebt. Riesige Rennradgruppen, Liegeräder, Tandems, Mountainbikes - alles war bunt gemischt und ein Radfahrer sah schräger als der andere aus, da viele von ihnen bunte Trikots und wilde Helmkonstruktionen mit Rückspiegeln trugen. Eine Freakshow! :)


       
    Trek 1200 LeihradSammamish River TrailFahrrad in Redmond


    So folgte ich also dem bekannten Pfad und staunte über die Vielfalt an Fahrern und Fahrrädern. Man hätte meinen können die ganze Welt hätte sich hier zum Radfahren versammelt. Ich sah Farbige, Chinesen, Japaner, Europäer - alle Kontinente auf dem Rad vereint. Ein schräges Liegerad folgte dem anderen und ich überholte viele Tandems und Räder mit Kinderanhänger. Es machte richtig Spaß einfach nur die Leute im Vorbeifahren zu beobachten :)

    Während der Fahrt grübelte ich schon, wieviele Kilometer ich fahren wollte. Die Beine fühlten sich heute nicht sooo toll an; waren wohl von gestern noch ein wenig angestrengt. Trotzdem wollte ich mindestens einhundert Kilometer fahren. Wieder kam mir der Zufall zur Hilfe. Nach fast 30 Kilometern - also kurz bevor der Burke-Gilman Trail aufhört - bog ich hinter einem Tunnel links ab anstatt geradeaus über eine Brücke zu fahren. Und schwups war ich auf einem neuen Trail - dem "Sammamish River Trail". Sowas! So ein Zufall! Der Trail fühlte sich gut an und folgte einem Fluss (wie der Name schon sagt). Er war gut geteert, in besserem Zustand als der Burke-Gilman, und führte an traumhaft schöner Landschaft und idyllischen Häusergruppen vorbei. Perfekt! Ich hatte keine Ahnung wo mich der Weg hinführen würde. Da ich mein GPS dabei hatte, hatte ich keine Probleme damit mich in beliebige Richtung von einem mir unbekannten Pfad führen zu lassen. Um zurück zum Start zu gelangen brauchte ich das Navi lediglich auf "Track-back" zu stellen um den exakten Weg zurück zu navigieren.

    Ich fuhr nach Redmond, das wurde mir klar als ich einen Blick auf die digitale Karte im GPS warf. Ich fuhr direkt auf die Stadt zu und es bestand kein Zweifel dass ich dort stranden würde. So ließ ich mich treiben und kam schließlich an der Arbeitsstätte des reichsten Mann der Welt an. Von Bill, geschweige denn dem Microsoft-Campus, bekam ich zwar nichts zu sehen - dafür schaute ich mir etwas viel Bedeuteneres an: ein leckeres Sandwich und nen heißen Cafe Latte bei Starbucks.

    Nachdem ich alles in mich hineingestopft hatte, machte ich mich mit schweren Beinen auf den Rückweg. Die Wolken waren mittlerweile zugezogen, es war kühler geworden und vereinzelt fielen ein paar Regentropfen. Ich streifte meine Armlinge über und machte mich auf den fünfzig Kilometer langen Weg zurück nach Seattle.

    Jetzt kommentieren

    Aktuelle Kommentare

    • Stefan: Barte Tour, ihr Suessen! Und als Tip fuer's naechste Mal: weiter lesen

    Archiv

    Impressum

    Reiseberichte.com