Nach fast zehn Stunden und knapp 290 Kilometern auf dem Tacho hatten wir es geschafft. Wir waren "Finisher" des Hamburg-Berlin-Zeitfahrens, einem Radmarathon der in jedem Jahr von Audax Club Schleswig - Holstein veranstaltet wird. Als ich sehr spät abends wieder zu Hause ankam, hatte ich insgesamt 297 Kilometer und über 10:30 Stunden reine Fahrtzeit auf dem Tacho - und konnte nicht mehr auf meinem Hintern sitzen!
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Das Zeitfahren Hamburg-Berlin ist fuer mich das letzte große Radsportereignis in diesem Jahr. Die Streckenlänge beträgt zirka 280 Kilometer zwischen dem Start in Altengamme und dem Ziel in Berlin-Spandau. Solch eine Strecke mit dem Rad an einem Stück zu fahren ist für viele kaum vorstellbar und 10 Stunden im Sattel zu sitzen ist selbst für ambitionierte Rennradler kein angenehmer Gedanke.
Unser Team "Stoertebiker A" startete an diesem Samstag um sechzehn Minuten nach sieben. Zwei Minuten vor uns startete das "Stoertebiker B"-Team, das es etwas schneller angehen lassen wollte um den Regional-Express zurück nach Hamburg um halb sechs noch zu erreichen. Wir Fahrer des A-Team hatten abgesprochen es gemütlich angehen zu lassen, ressourcenschonend zu fahren und regelmäßig Pausen einzulegen.
Nachdem der Countdown am Start heruntergezählt war, machten wir uns wenige Minuten später auf den Weg nach Dömitz - der ersten und einzigen Kontroll- und Verpflegungsstelle auf der gesamten Strecke. Das Reglement besagt, dass wir auf der südlichen Seite der Elbe verbleiben sollten. Ansonsten hatten wir die freie Streckenwahl. Ich hatte ein paar Tage zuvor eine digitale Route für mein GPS erstellt, die uns durch kleine Ortschaften und ruhige Landstraßen nach Berlin führen sollte. Wir wollten so gut es ging vermeiden auf Bundesstraßen zu fahren, da der Autoverkehr dort kaum zu ertragen ist und man oft von schwachsinnigen Autofahrern angehupt und durch knappe Überholmanöver in lebensbedrohliche Situationen gebracht wird.
So fuhren wir im Dunkeln ersteinmal in Richtung Geesthacht auf die andere Seite der Elbe. Dort fuhren wir auf der Landstraße durch malerische Ortschaften die in den Morgennebel eingehüllt ein romantisch verträumtes Bild abgaben. Nach zirka dreieinhalb Stunden kamen wir in Dömitz an. Direkt am Deich war der Kontrollpunkt mit integrierter Verpflegungsstelle aufgebaut. Wir aßen ein zweites Frühstück und füllten unsere Trinkflaschen wieder auf. Nach einiger Zeit des Ausruhens machten wir uns wieder auf den Weg um die restlichen 180 Kilometer in Angriff zu nehmen.
Meine Beine fühlten sich sehr gut an an diesem Tag. Die ersten einhundert Kilometer vergingen wie im Fluge und ich spürte kaum eine Belastung. Unser Team funktionierte perfekt. Wir wechselten uns in sehr regelmäßigen Abständen vorne im Wind ab. Leider hatten wir an diesem Tag auf der gesamten Strecke Gegenwind, was sich in einem relativ "langsamen" Schnitt von 29-30km/h bemerkbar machte.
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Die zweiten hundert Kilometer wogen schon schwerer. Wir machten zwischendurch eine Pause an einer ruhigen Straße, die umgeben von Feldern war. Die Sonne schien und ein Schaf und eine Kuh schauten uns neugierig beim Essen zu und bekamen Appetit als ich gierig meine Butterkekse in mich hineinstopfte.
Knapp sechzig Kilometer vor dem Ziel legten wir nocheinmal eine lange Pause ein und legten uns auf einer Wiese vor einer Kirche in die Sonne. Kekse und diverse Powerriegel wurden verspeist und beim benachbarten Bauern füllten wir unsere leeren Trinkflaschen wieder auf. Die letzen sechzig Kilometer waren die schwersten. Mein Nacken, Kopf und Hintern taten in abwechselnder Reihenfolge weh - später dann auch zusammen. Immer öfter ging ich aus dem Sattel und fuhr im Stehen um dem wundgescheuerten Gesäß ein wenig Erholung zu verschaffen.
Die Anstrengung war allen Teamfahrern ins Gesicht geschrieben als wir nach neun Stunden und dreiundvierzig Minuten reiner Fahrtzeit am Ziel ankamen. Insgesamt waren wir fast elf Stunden unterwegs gewesen - inklusive unserer langen Pausen. Wir gaben unsere Startnummern ab und stopften Bananen und getrocknetes Obst in uns hinein. Anschließend machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof Spandau. In einem nahegelegenen Einkaufszentrum aßen wir Pizza und Nudeln und fuhren dann mit dem Zug zurück nach Hamburg.

Hallo,
so weit ich weiß, gibt es die Veranstaltung jedes Jahr? Könntest du mir deinen GPS-Track überlassen, falls du meinst, er sei brauchbar? Danke und Gruß
Harald