Ski-Wandern im Harz

Zur Vorbereitung auf unsere nahende Finnland-Tour fuhren Clemens und ich an diesem Wochenende in den Harz. In Bad Harzburg und den umliegenden Orten liegen zur Zeit mehr als 50-70cm Schnee; auf dem Brocken sogar mehr als 150cm. Ideale Bedingungen also um unsere nagelneuen Touren-Skier zu testen und insgesamt mal zu schauen wie es sich mit etwa 22Kg Gepäck auf Skiern so fortbewegen lässt.

Die Fotos unserer Wandertour habe ich in mein Foto-Album gestellt. Hier klicken um das Album zu laden.

Am Samstag trafen wir uns um 06:45 am Hamburger Hauptbahnhof. Der ICE in Richtung Hannover fuhr pünktlich um 07:01 los, blieb in Harburg aber mit einem Schaden liegen, so dass wir in einen anderen Zug umsteigen mussten. Durch die Verspätung verpassten wir unseren Anschlusszug in Hannover und verloren insgesamt ca. eine Stunde der kostbaren und ohnehin knappen Zeit die wir zum Wandern nutzen konnten.

In Bad Harzburg angekommen liefen wir schnurstracks zum Bus der uns nach Torfhaus bringen sollte. Vor der Bushaltestelle türmten sich Menschenmengen auf die wir im Harz so noch nie gesehen hatten. Scharen von Ski-Langläufern und Familien mit Kind & Kegel & Schlitten warteten auf den Bus zu den Ski-Pisten und Rodelbahnen. Anscheinend waren wir nicht die einzigen mit der Idee im Harz den Schnee zu genießen und ich hoffte, dass wir wenigstens einigermaßen schnell bis Torfhaus kommen würden. Der erste Bus, der auch sehr zeitnah kam, war sofort komplett voll. Zum Glück kam unmittelbar danach ein weiterer Bus derselben Linie. Die Busgesellschaft hatte den Mehrbedarf erkannt und Sonderbusse eingesetzt - Super!

Die Busfahrt zum ca. neun Kilometer entfernten Torfhaus dauerte eine halbe Ewigkeit. Wir standen eng gequetscht im Bus und konnten nicht einmal nach vorne zum Busfahrer vordringen um eine Fahrkarte zu kaufen. Wenigstens die Skier und Rucksäcke konnten wir vor Antritt der Fahrt in den Stauraum des Busses laden. Kurz hinter Bad Harzburg staute sich der Verkehr kilometerlang. Eigentlich war gar nichts los - weder Unfall noch sonst irgendein Notfall auf der Strecke. Es waren lediglich zu viele PKW unterwegs da jeder seine individuelle Freiheit (im Stau zu stehen) genießen wollte. Und so rollten wir im Schritttempo bis nach Torfhaus - ächz.

In Torfhaus angekommen kauften wir nachträglich beim Busfahrer die Fahrkarten und fanden dann auch sehr schnell den Einstieg der Loipen und Wanderwege in Richtung Schierke. Zum ersten Mal überhaupt legten wir uns die nagelneuen Backcountry-Skier an, an denen sogar noch der halb abgerissene Preis klebte :) Ich stand das erste Mal seit bestimmt über fünfzehn Jahren wieder auf Skiern - eine wackelige Angelegenheit - und dann gleich vollbepackt mit einem 22 Kilogramm schweren Rucksack auf dem Rücken! Erstaunlicherweise konnte ich auf Anhieb gut auf dem Skiern laufen. Die Strecke war gespurt und wir liefen in den Loipen - was bei einigen Langläufern sicher für Unmut sorgte, da unsere Skier durch die etwas größere Breite weniger geeignet zum Laufen in den Langlauf-Spuren sind. Da die Loipen aber duch die vielen "Anfänger" eh schon ziemlich "ausgefranst" waren, spielte das keine Rolle und für uns war es optimal die ersten Kilometer wie auf Schienen dahinzugleiten um ein Gefühl und einen Rhythmus zu entwickeln.

Sehr oft wurden wir von anderen Langläufern angesprochen die sehr verwundert über unsere Ausrüstung waren und wissen wollten "wofür" wir trainierten. Die großen Rücksäcke mit den dicken Iso-Matten oben drauf machten anscheinend Eindruck bei den Leuten.

Der Weg bis nach Schierke war insgesamt ca. 12 Kilometer lang und wir benötigten drei Stunden netto Laufzeit bis zum Ortseingang. Auf den letzten Kilometern mussten noch etliche Höhenmeter abgestiegen werden, was sich als schwieriges Unterfangen herausstellte. Mit den BC-Skiern zu bremsen ist bedingt durch die Länge der Skier (210cm) sehr schwierig und mit dem schweren Rucksack das Gleichgewicht zu halten ist eine Kunst für sich da es einen ständig nach hinten zieht. Clemens und ich machten also des öfteren Bekanntschaft mit der Flauschigkeit des Harzer Pulverschnees und wir konnten kräftig das Aufstehen üben :)

Es wurde schon dunkel als wir in Schierke ankamen und wir waren mit unseren Kräften ziemlich am Ende. Kurz überlegten wir in der nahen Jugendherberge zu übernachten da der Campingplatz noch fünf Kilometer Fußmarsch entfernt lag. Allerdings war die Jugendherberge seit Wochen ausgebucht und so machten wir uns zu Fuß auf den Weg in Richtung des Campingplatzes am Schierker Stern. In den knüppelharten Stiefeln auf Asphalt zu laufen ist ungefähr so als wenn man sich zwei quadratische Holzplatten unter die Füße schnallt und damit versucht zu laufen. Damit dann noch fünf Kilometer im Dunkeln am Straßenrand einer stark befahrenen Landstraße zu laufen, auf der die Dorfjugend beweisen muss wie tolle Autofahrer sie sind indem sie an uns mit 80km/h, 50cm Abstand und Fernlicht hupend vorbeifahren ist in einem erschöpften Zustand mit Holzplatten unter den Füßen gar kein Spaß mehr. Als wir endlich auf dem Campingplatz ankamen, war zum Glück noch jemand da der uns den Schlüssel zur Küche und Bad aushändigte und wir sprangen gleich unter die Dusche und kochten uns Spaghetti mit leckerer Sauce. Beim Kochen trafen wir zwei Eiskletterer aus Hamburg die ebenfalls im Zelt übernachteten und wir tauschten uns ein bischen über unsere Outdoor-Aktivitäten aus.

Um ca. 20 Uhr bauten wir im Dunkeln das Zelt auf, was sich als sehr unproblematisch herausstellte. Lediglich die Finger wurden ein bischen kalt und die Heringe wollten nicht so recht im gefrorenen Boden Halt finden. Für die speziellen (extralangen) Schneeheringe lag zu wenige Schnee, so dass die regulären (kurzen) Heringe zum Einsatz kamen. Obwohl es noch recht früh war, wollten wir so schnell wie möglich ins Zelt. Der Tag war anstrengend und wir mussten ganz früh aufstehen um den Zug zu erreichen. Nachdem wir unsere Schlafsäcke ausgerollt hatten, lasen wir noch ein bischen und schliefen dann durch bis 08 Uhr morgens.

Am nächsten morgen schlüpfte ich aus dem warmen Schlafsack schnell in die eiskalten Klamotten. In die gefrorenen Stiefel zu kommen kostete viel Zeit obwohl ich die Innenschuhe extra im Zelt gelagert hatte. Das Thermometer zeigte -2 Grad Celsius an - eigentlich eine sehr moderate Temperatur. Nach dem Frühstück bauten wir das Zelt ab und machten uns auf den Weg in Richtung dem kleinen Städtchen Elend. Ein Stück des Weges schlugen wir uns quer durch den Wald auf zugeschneiten Wanderwegen, da kein Weg direkt nach Elend zu führen schien und wir keinen großen Umweg machen wollten. Eine steile Rampe mussten wir seitlich auf den Skiern absteigen und es kostete viel Zeit und Kraft. In Elend angekommen führten alle Wegmarkierungen zurück nach Schierke - sehr verwirrend. Wir entschlossen uns auf dem parallel zur Straße nach Braunlage verlaufenden Radweg zu laufen um Umwege über Berge oder sonstige Sehenswürdigkeiten zu vermeiden und rechtzeitig bis sechzehn Uhr in Braunlage anzukommen.

Es stellte sich schnell heraus, dass die lokalen Verkehrsplaner ihr Diplom anscheinend auf dem Schützenfest gewonnen hatten. Der Radweg war erst nach einigen hundert Metern laufen am Straßenrand zu erreichen und als solcher auch nicht zu erkennen. Erst nach einigen Kilometern Tiefschnee direkt am Straßenrand erreichten wir einen markierten Wanderweg und konnten den Weg nach Braunlage genießen. Kurz vor 16 Uhr kamen wir erschöpft in Braunlage an und machten uns auf direktem Weg zur Bushaltestelle. Wenige Minuten später kam auch schon ein Bus in Richtung Bad Harzburg und wir bekamen sogar noch einen der wenigen Sitzplätze ab. Fast die gesamte Strecke standen wir im Stau, bzw. fuhren in Schrittgeschwindigkeit und es ließ sich bei dem Tempo gut schlafen :) Für die kurze Strecke nach Bad Harzburg benötigten wir fast 1.5 Stunden und kamen dennoch rechtzeitig an um unseren Zug zurück nach Hannover und weiter nach Hamburg zu bekommen.

Alles in allem war es ein sehr schönes Wochenende - wenn es auch sehr anstrengend war. Die Stiefel waren ja noch nicht eingelaufen und dementsprechend taten mir die Füße weh und es bildeten sich schmerzhafte Blasen. Wir machten unsere ersten Erfahrungen mit dem Wandern auf Skiern mit schwerem Gepäck - eine ganz besondere Herausforderung an den Gleichgewichtssinn, vor allen Dingen beim Bergabfahren und auf vereisten Flächen. Heute - einen Tag später - habe ich ordentlichen Muskelkater in den Beinen. Leider hatte Clemens die falsche Düse für seinen Primus Omnifuel Kocher mit, so dass wir ihn nicht testen konnten. Vielleicht schaffen wir es aber noch ein weiteres Trainings-Wochenende vor unserer Finnland-Tour zu absolvieren und den Kocher im Outdoor-Einsatz zu testen.

Aktuelle Kommentare

  • Stefan: Barte Tour, ihr Suessen! Und als Tip fuer's naechste Mal: weiter lesen

Archiv

Impressum

Reiseberichte.com